Start Japan Fabelwesen Yōkai: Tanuki – japanische Marderhunde

Yōkai: Tanuki – japanische Marderhunde

Tanuki (狸) bezeichnen zoologisch gesehen japanische Marderhunde, auch Enok genannt. Die Bezeichnung wird jedoch auch für eine Art Fabelwesen mit Heimatorten in den Bergen und Wäldern von Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū sowie allgemein Vorstadtgärten genutzt. Weitere Bezeichnungen sind mujina (狢), bakedanuki (化け狸) und mami (猯). Sie werden als etwa 60cm groß und 5kg schwer beschrieben und haben einen 16cm langen dicken Schwanz. Ihre Bäuche sind dick und sie haben sehr große Hoden, die häufig mit Reichtum assoziiert werden. Dadurch werden sie auch „Geldsäcke“ genannt. Darstellungen vom Marderhund beinhalten seit dem 20. Jahrhundert unter anderem einen Strohhut und eine Sakeflasche, die oft mit dem Kanji 八 (acht) dargestellt wird. Das nimmt Bezug auf den damaligen Shōgun Tokugawa Ieyasu (1542-1616), der aufgrund seiner klugen Schachzüge auch etwas respektlos „Furu Tanuki“ (Alter Tanuki) genannt wurde und dessen Wappen damals dieses Kanji innehatte. Alternativ tragen sie auch ein Kassenbuch oder einen Sack mit Gold bei sich. Als Satire wird er in Form eines buddhistischen Mönches dargestellt, welcher dick ist und Geld hortet.

Tanuki haben einen freundlichen, scherzhaften und sehr verfressenen Charakter und sind heute sehr beliebte Charaktere in Anime, Manga und Spielen. Beispiele hierfür sind Inu Yasha, Super Mario, Tanuki de Pon und Harvest Moon. Je nach Laune können sie Glück oder Pech bringen.

Fähigkeiten und Schwächen

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Tanuki gehören wie die Kitsune (magische Fuchsgeister) zu den klassischen Trickstern, die stets Unfug treiben und Menschen austricksen. Dazu bedienen sie sich ihren zahlreichen magischen Fähigkeiten, zu denen unter anderem eine magische Bauchtrommeltechnik und ein großes Talent zur Gestaltswandlung gehört. Diese wird in vielen Serien oft mit einem kleinen Blatt auf dem Kopf dargestellt. In Gegenwart eines Hundes verlieren sie jedoch aus Angst ihre Fähigkeiten und müssen ihre wahre Gestalt zeigen. Eine skurille Eigenheit der Verwandlung haben ebenso die Hoden des Marderhundes, denn diese werden ebenfalls gerne in Alltagsgegenstände umgewandelt oder zum Fliegen verwendet. Es gibt sogar ein japanisches Kinderlied (bzw. einen Kinderreim) zu den Hoden des Tanuki:

たんたん狸の金玉は
風もないのに
ぶーらぶら
Tan-tan-tanuki no kintama wa
Kaze mo nai no ni
Bu-ra bura
Tan-Tan-Tanuki’s Hoden
Obwohl kein Wind weht
Schaukeln sie (hin und her)

 

Die Legenden vom Tanuki stammen ursprünglich aus China, wo sie jedoch als äußerst böse dargestellt werden. Es gibt in der Tat auch in Japan Geschichten von bösen Marderhunden, die sich Menschen als Nahrung aussuchen oder sie verzaubern. Meistens spielen sie den Menschen aber nur gerne mal Streiche und werden allgemein eher als harmlos und komisch sowie gerissen und intelligent betrachtet. Da sich Tanuki gerne in Menschen verwandeln, übernehmen sie auch leicht bestimmte menschliche Eigenschaften und Angewohnheiten. So werden sie unter anderem zu Spielern, Trinkern, Betrügern und Dieben.

In der Frühzeit wurden Tanuki als Götter und Herrscher über die Natur angesehen. Nach der Einführung des Buddhismus im 6. Jahrhundet wandelte sich dies jedoch in die Rolle eines Boten und Schutzgeistes. Als Glücksbringer bringen sie Erfolg und Wohlstand. Ähnlich wie die japanische Glückskatze Maneki Neko werden Keramikfiguren gerne vor Geschäften aufgestellt.

Übrigens: Die wohl bekannteste Geschichte stammt vermutlich aus dem 16./17. Jahrhundet und heißt Bumbuku Chagama (文福茶釜) – Der verwunschene Teekessel. In der Geschichte rettet ein armer Holzfäller einem Tanuki das Leben, indem er ihn aus einer Falle befreit. Zum Dank verwandelt sich dieser in einen Teekessel, den der Holzfäller teuer an einen Priester des Morinji Tempels verkaufen kann. In einer anderen Version der Geschichte ist der Gerettete ein Fuchs (kitsune).

Tanuki in der japanischen Küche

Tanuki SobaEin beliebtes Gericht der japanischen Küche ist Tanuki Soba. Dabei handelt es sich um eine Nudelsuppe mit Agedama (Tempura Stückchen) Topping. Die Agedama scheinen ein üppiges Topping zu sein, es handelt sich jedoch lediglich um Teigstückchen ohne Gemüse, Fisch oder Fleisch. Somit erzeugen sie wie Tanuki eine Art von Illusion. Eine Variante mit anderer Nudelsorte (Udon) nennt sich Tanuki Udon.

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